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Stellungnahme zur Kassenbonpflicht ab 01. Januar 2020

München | 02. Januar 2019


Ab dem 01. Januar 2020 tritt die Belegausgabepflicht in Kraft. Das bedeutet, dass alle Läden und Geschäfte, auch kleine Bäckerei-Betriebe oder Tante-Emma-Läden einen Kassenzettel aushändigen müssen. Auch dann, wenn ein Kunde nur eine Semmel kauf, und auch, wenn er keinen Beleg dafür möchte. Die Regierung erhofft sich von der Gesetzesänderung mehr Transparenz und weniger Steuerhinterziehung durch Manipulation.


In Zeiten von Fridays-For-Future scheint diese Neuerung grotesk und genau das Gegenteil von klimafreundlich. Denn was die Kassenbonpflicht bewirken wird, ist jede Menge zusätzlicher Abfall. Schätzungen zufolge wird es allein in der Bäckerei-Branche jährlich fünf Milliarden zusätzliche Kassenzettel verursachen. Das entspricht dem 25-fachen Erdumfang oder der zweieinhalbfachen Wegstrecke von der Erde bis zum Mond.


Dazu kommt, dass es sich bei Kassenzetteln nicht um Altpapier handelt, sondern um gesundheitlich bedenkliches Thermopapier. Denn Kassenbons bestehen oft aus Thermopapier, in dem die Chemikalie Bisphenol A (BPA) als Farbentwickler dient. Diese BPA-Schicht auf dem Papier ist giftig, weshalb besonders Kinder nicht mit Quittungen spielen sollten. Zwar sollen Bisphenol A-haltige Thermopapiere in 2020 EU-weit verboten werden. Jedoch wird noch geraume Zeit verstreichen, bis alle Geschäfte umgestellt haben. Und an der Menge des entstehenden Mülls ändert dies auch nichts.


Die Bäckerei Tenk-Bomkamp aus Südlohn im Münsterland dokumentierte und teilte auf Facebook, wie viele Kassenbons an nur zwei Arbeitstagen übrig bleiben. Auf dem Boden vor der Kaste häufte sich ein Berg von Kassenzetteln, die unnötigerweise ausgedruckt werden mussten. Im Vergleich zu den angebotenen Backwaren wirkt der Müllberg von ungefähr 500 Kassenbons massiv. Die Foto-Protestaktion verdeutlicht das Ausmaß des Gesetzes und ist ein Zeugnis dafür, welche Müllberge ab dem 01. Januar 2020 gezwungenermaßen produziert werden. Die Bäckerei findet es nicht nur ökologisch verwerflich, sondern ist auch um die zusätzlichen Kosten für die Bonrollen und um die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen besorgt: „Die Gesundheitsbelastung für die Verkäufer steigt, wenn sie statt drei 150 Bons am Tag in die Hand nehmen.“. Weitere Bäckereien folgen dem Vorbild, so auch die Bäckerei Stemke in Schwäbisch Gmünd. Sie alle wenden sich an die Politik und hoffen auf eine Aufhebung des Gesetzes.





Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks Daniel Schneider kommentiert in einer Pressemitteilung wie folgt: „Wir reden über Umweltschutz und diskutieren über die Reduktion von Coffee-to-go-Bechern, schaffen dann aber auf der anderen Seite Müllberge aus beschichtetem Papier. Das ist reaktionär und in Zeiten von Fridays for future nicht zeitgemäß.“


Es ist schlicht unsinnig auf der einen Seite Nachhaltigkeit in den Fokus allen Handelns zu stellen und an jeder Stelle so gut wie möglich auf Abfallvermeidung zu achten und auf der anderen Seite für eine Breze einen Kassenzettel ausdrucken zu müssen.


Eine Alternative stellt die Übermittlung des Kassenbelegs in elektronischer Form dar, z. B. per E-Mail oder via Bluetooth. Zwar ist die digitale Übermittlung einer elektronischen Rechnung für jede Kugel Eis und jede Apfeltasche allerdings auch nicht wirklich effizient, aber zumindest umweltfreundlich. ECOLUTIONARY arbeitet an dieser Stelle mit der admin App des Partners A & G GmbH zusammen. Die Bons werden direkt vom Kassensystem erstellt, kontaktlos aufs Smartphone übertragen und enthalten alle notwendigen Pflichtangaben. Dies ist praktisch für den Empfänger und kostengünstig für den Absender. Somit wird zusätzlicher Abfall vermieden, die Kosten für neue Bonrollen reduziert und es wird aktiv zum Umweltschutz beigetragen. Wir tragen dazu bei, dass das Zettelchaos ein Ende hat und sorgen dafür, dass der Papierbon Geschichte ist.


Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums traf vor ein paar Tagen die Aussage, dass der Bundeswirtschaftsminister Altmaier mit Bundesfinanzminister Scholz im Austausch zum Thema Bonpflicht ist. Inwiefern es bei der Kassenbonpflicht Ausnahmen geben wird oder ob die Politik nicht doch noch zurückrudert, ist noch nicht abschließend geklärt. Es bleibt nur darauf zu hoffen, dass es eine kurzfristige einvernehmliche Lösung im Sinne der Unternehmen und der Umwelt geben wird.




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